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Berichte |
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zur Initiative " Mit dem Fahrrad zur Arbeit" |
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Fahrrad und Arbeit Und am Firmentor fängt der Spaß erst an Radverkehrsförderung bedeutet für die Politik hierzulande oft noch mehr und bessere Radwege. Dabei wird übersehen, dass Verbesserungen der Infrastruktur allein nicht ausreichen, um mehr Menschen etwa auf dem Weg zur Arbeit zum Umstieg zu bewegen. Betriebliches Mobilitätsmanagement heißt deshalb das Stichwort. Denn: Radelnde Mitarbeiter sind gut fürs Firmenimage und zudem leistungsfähiger als ihre Kollegen.
Neidisch blickt der deutsche Fahrradnutzer über die Grenze: In den Niederlanden hat es der Masterplan Fiets - der nationale Radverkehrsförderungsplan - möglich gemacht, dass Menschen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, viele Privilegien genießen. Und die gehen weit über das Stadium der deutschen Fahrradnovelle mit ihren verbesserten Verkehrsbedingungen hinaus, die am Firmentor ein natürliches Ende findet. Anders in den Niederlanden: Dort wird nicht nur auf gute Radwege und eine intelligente Verkehrsführung geschielt, sondern auch der Verbund aus Fahrrad und Bahn unter anderem dadurch unterstützt, dass die Niederländischen Eisenbahnen selbst als Betreiber von Fahrradstationen fungieren. Noch überraschender aber sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen: So können Firmen beispielsweise ihren Mitarbeitern ein Fahrrad mit einem Preis von bis zu 1300 Mark angedeihen lassen und dieses Bonbon sogar noch steuerlich geltend machen. Der Masterplan Fiets mit seinem wegweisenden Förderungskatalog für Alltagsfahrten konnte eine ganze Branche beleben: Während Industrie und Handel in Deutschland aufgrund des zunehmenden Preisdrucks mehr und mehr die Puste auszugehen droht, fährt die Zweiradbranche jenseits der Grenze in ruhigem Fahrwasser: Als Folge des Masterplans boomen Fahrradläden, Leasing-Firmen entdeckten das Fahrrad, spezielle Firmenfahrräder werden als Maßnahme zur Fortführung einer Corporate Identity entwickelt, zudem hat sich ein Markt für Dienstleister etabliert. Radlständer für die Mitarbeiter der
Heidelberger Druckmaschienen AG Den Firmen kommt die schöne neue Fahrradwelt in mehrfacher Hinsicht entgegen: Je höher der Anteil der radelnden Mitarbeiter, desto geringer der Krankenstand Radfahrer sind fitter, leistungsfähiger und kommen weniger gestresst in der Firma an. Und neben "klimatischen" Verbesserungen hat eine vermehrte Fahrradnutzung der Arbeitnehmer auch ganz handfeste finanzielle Vorteile: Wenn weniger Leute mit dem Auto aufs Betriebsgelände fahren, kann der Parkraum verkleinert und anderweitig genutzt werden. Autoparkplätze sind nämlich - auch in Deutschland! - wesentlich teurer als Fahrradabstellanlagen, Duschen und Spinde für Berufsradler. Dass intelligente Politik für Radfahrer keine niederländische Erfindung ist, zeigt das Beispiel Vorarlberg. Der Umweltinformationsdienst des österreichischen Bundeslandes entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsclub Österreich schon 1993 einen Leitfaden "Mit dem Rad zur Arbeit", in dem die Vorteile der Fahrradnutzung auf dem Arbeitsweg genauso wie die bestehenden Hindernisse beschrieben und Möglichkeiten gezeigt wurden, wie Betriebe ihre Mitarbeiter zum Umsteigen bewegen können. Schon vor sechs Jahren setzten 16 % aller Berufspendler das Fahrrad ein (zum Vergleich: In den Niederlanden ging man von etwa 26 % Fahrradnutzung aus, bevor dort der Masterplan Fiets seinen Anfang nahm). Das Potential aber schätzte man ähnlich wie in den Niederlanden auf gut und gerne 40 % - zumal 69 % aller Fahrten weniger als 5 km lang waren, gar 83 % weniger als 10 km lang. Die Macher der "FAHR RAD"-Kampagne, die ihre Arbeit im Frühjahr '99 auf einem vom ADFC Baden-Württemberg veranstalteten Kongress zum Thema "Fahrrad & Arbeit" vorstellten, zeigen sich überzeugt: "Die meisten Strecken sind per Fahrrad zu schaffen." Dass es aber nicht damit getan ist, Broschüren zu produzieren oder sich für bessere Radwege einzusetzen, erfahren auch die Österreicher häufiger, als ihnen lieb sein kann. Deshalb entwarfen sie intelligente Modelle, wie dem Rad auf die Sprünge geholfen werden könne. Ein Beispiel dafür ist das "Fahrrad-Lotto": An einem Tag im Monat werden zehn Mitarbeiter eines Unternehmens ausgelost. Sind sie just an diesem Tag mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz gefahren, erhalten sie 70 Mark. Wenn nicht, fließt das Geld in einen Jackpot und wird am nächsten Monat ausgeschüttet. Für Gerhard Leiprecht war ein Besuch in Vorarlberg Stein des Anstoßes: Das ADFC-Mitglied aus Friedrichshafen sah es danach als seine wichtigste Aufgabe an, zusammen mit radbegeisterten Kollegen bei seinem Arbeitgeber MTU für eine bessere Fahrradkultur zu sorgen. Das Argument, mehr Radfahrer im Unternehmen verursachten zurückgehende Kosten, überzeugte auch die zunächst kritische Geschäftsführung: Seit dem Frühjahr '98 gibt es bei MTU eine Radgruppe, die das ehrgeizige Ziel verfolgt, 50 % der etwa 5000 Beschäftigten aufs Rad umsteigen zu lassen. Um das zu schaffen, wurde im Haus nicht nur eigens eine Fahrradausstellung geschaffen, sondern die Fahrradförderung in das Unternehmensziel "Gesundheitsförderung und Umweltschutz" integriert. Bereits im kommenden Herbst wollen die Bodensee-Radler zudem einen Radtourenplan mit den besten Wegen zum Arbeitsplatz MTU vorlegen. Leiprecht und seine Kollegen möchten, dass Radfahrer bei MTU "mit ihrem Rad bis fast an den Schreibtisch fahren dürfen", das Auto aber am Rand des Firmengeländes abgestellt werden müsse. Derzeit ist noch das Gegenteil der Fall. Ein Vorbild für gelungenes betriebliches Mobilitätsmanagement ist auch die Firma Kärcher. Der Winnender Hersteller von Hochdruckreinigern hatte bereits vor fünf Jahren mit seinem Projekt "Umweltfreundlich zur Arbeit" für Aufsehen gesorgt. Teil dieses Konzepts war die Fahrradkarte: Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit kamen, wurden an der Pforte registriert - ab der 20. Dienstfahrt nahm der Inhaber der Karte automatisch an einem Gewinnspiel teil. Erster Preis - natürlich ein hochwertiges Fahrrad. Für sein Engagement wurde das schwäbische Unternehmen, das sich seit vielen Jahren einen Umweltberater leistet, im Spätjahr '98 von höchster Stelle ausgezeichnet: Bei einem Wettbewerb des baden-württembergischen Umweltministeriums heimsten die wackeren Fahrradvor(st)reiter den zweiten Platz ein. Die sind nur zwei Beispiele von Großfirmen, die eine Fahrradförderung auch aus ökonomischer Sicht als wichtigen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur betrachten. Auch beim Chemieriesen BASF mit seinen 15.000 Firmenfahrrädern oder beim Schweizer Novartis-Konzern, der von der IG Velo Schweiz mit dem Hauptpreis für seine beispiellose Fahrradförderung im Betrieb ausgezeichnet wurde, setzt sich die Erkenntnis längst durch, dass Fahrradförderung im härteren Wettbewerb kein Kavaliersakt ist. Denn: Leistungsfähige Mitarbeiter sind künftig genauso wichtig wie Kosteneinsparungen. Beides kann ein vernünftiges Mobilitätsmanagement leisten, das vom Gesetzgeber mit Steueranreizen für Unternehmen und Arbeitnehmer gestützt wird. Thomas Seidelmann |
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