Unser Leitbild

Bayern braucht eine neue Fahrradkultur

Ziel des ADFC ist es, dem Fahrrad zu einem seinen Möglichkeiten entsprechenden Stellenwert in unserem Mobilitätssystem zu verhelfen. Das Fahrrad muss als gesundes, umweltschonendes, klimaneutrales und platzsparendes Nahverkehrsmittel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung verankert und dementsprechend politisch gefördert werden.

Die Landesversammlung des ADFC Bayern ruft deshalb alle Aktiven und Mitglieder des Vereins sowie die politischen Entscheidungsträger auf allen Ebenen auf, sich aktiv für deren Verwirklichung einzusetzen. Der Landesvorstand wird aufgefordert, sich bei der Bayerischen Staatsregierung und den kommunalen Spitzenverbänden intensiv für dieses Ziel zu verwenden.

Fahrradkultur wird ganz wesentlich vor Ort in den Kommunen gemacht. Das darf aber nicht vom Engagement einzelner Kommunalpolitiker abhängen. Um hier sowohl Unterstützung als auch Anreiz zu geben, fordern wir die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Kommunen" als Interessenvertretung für eine neue Nahmobilität, Plattform zum Erfahrungsaustausch und Ideengeber für fahrradfreundliche Maßnahmen. Für Publikationen und Aktionen der Arbeitsgemeinschaft sind Fördermittel erforderlich. Wettbewerbe dienen dabei als Ansporn.

Leuchtturmprojekt für die Fahrradkultur ist die Fahrradwegweisung. Eine einheitliche wegweisende Beschilderung hilft nicht nur dem Radler, ans Ziel zu kommen. Darüber hinaus rücken die einheitlichen grün-weißen Wegweiser das Radfahren in das Blickfeld der Verkehrsteilnehmer und tragen so zur Bewusstseinsbildung für das Radfahren bei. Mit staatlicher Förderung kann die Einheitlichkeit der wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr verbindlich vorgegeben und durchgesetzt werden.

Fahrradkultur endet nicht an den Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel. Vielmehr ist ein funktionierender und einladender Umweltverbund von Rad und Bahn integraler Bestandteil der Fahrradkultur. Deshalb muss das Angebot zur Fahrradmitnahme in der Bahn im Nah- und Fernverkehr stabilisiert und ausgebaut werden. Dieses ist vor allem Voraussetzung für den Wirtschaftszweig Radtourismus. Es vervielfacht aber auch die Möglichkeiten für Pendler, ohne Auto zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. Hierfür ist es ebenso notwendig, ausreichende und attraktive Fahrradabstellanlagen an Haltepunkten des öffentlichen Nahverkehrs bereitzustellen.

Von Fahrradkultur kann nicht gesprochen werden, wenn die Menschen sich nicht trauen, mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilzunehmen. Fahrradkultur bedeutet vielmehr, dass der Radler als gleichberechtigter Partner im Verkehr anerkannt und respektiert wird. Deshalb muss die Verkehrssicherheitsarbeit von Staatsregierung und ADFC intensiviert und verzahnt werden. Sie muss aufzeigen, wie sicher Radfahren ist, und wie es noch sicherer gemacht werden kann.

Fahrradkultur muss Bestandteil einer umfassenden Mobilitätspädagogik schon im vorschulischen und schulischen Stadium werden. Diese muss weit über die bisherigen Inhalte des Verkehrsunterrichts im "Schonraum" Schulhof hinausgehen.

Hochwertige Angebote im Fahrradtourismus gehören ebenfalls zur Fahrradkultur. Dafür braucht es Qualitätssicherung und -verbesserung der fahrradtouristischen Infrastruktur und Angebote.

Über die vorgenannten Maßnahmen hinaus muss Fahrradkultur durch überzeugende Öffentlichkeitsarbeit in die Köpfe und Herzen der Menschen transportiert werden.

Es muss immer wieder deutlich gemacht werden, dass Radfahren Spaß macht, sexy ist, den Stau durch Fahrspaß ersetzt und außerdem eine sehr individuelle, gesunde und umweltschonende Fortbewegung ist.

Die Aufwendungen von Freistaat und Kommunen zur Förderung von Fahrradverkehr und Fahrradkultur sind am Benchmark der erfolgreichsten Städte Europas zu messen. Diese geben je Einwohner jährlich bis zu zehn Euro für das Radfahren aus.

Verabschiedet von der ADFC Landesversammlung 2008 in Neumarkt i.d.OPf.

© ADFC Bayern 2012

Ihre Spende für den ADFC-Landesverband Bayern