ADFC
Positionen Für und Wider einer
verpflichtenden Helmnutzung
Immer wieder im Sommer kommt die
Forderung von Politikern und selbstberufenen Experten nach
einer allgemeinen Helmpflicht für Radfahrer. Dies wird
meist mit einer notwendigen allgemeinen Verbesserung der
Sicherheit für Radfahrer begründet. Dabei werden
mehrere Dinge vermischt, die miteinander nichts zu tun
haben: 1. Wenn so getan wird, als dass man
mit Helm die Unfallhäufigkeit und Unfallschwere
generell vermindern könnte, so geht das weit an den
Realitäten vorbei. Unfälle passieren mit und ohne
Helm. Fahrradhelme können - richtig aufgesetzt - vor
allem leichte Verletzungen an Gehirn, Schläfen und
Stirn verhindern oder vermindern. Alle anderen
Körperteile können im Falle eines Unfalls durch
einen Helm nicht geschützt werden. Nach seriösen
Statistiken ist bei etwa 90 % der Unfälle der Kopf
überhaupt n i c h t betroffen. Und auch bei den
restlichen etwa 10 % Prozenten ist die Frage ob und wie der
geschützte Bereich (Gehirn, Schläfen und Stirn)
betroffen sind. Man muss auch unterscheiden in die
Unfälle, in denen der Helm helfen kann eine Verletzung
zu verhindern, eine Verletzung zu vermindern oder in denen
er trotz allem nicht mehr helfen kann. Es gibt
Untersuchungen
die davon ausgehen, dass es Fälle gibt in denen der
Helm gar keine Schutzwirkung entfalten kann. Jedenfalls gibt es bis heute keine
seriöse wissenschaftliche Untersuchung, die die
Schutzwirkung von Helmen detailliert nachweist und die auf
in der Praxis gewonnene Daten (verschiedene Unfallsitutionen
mit Dummies, wie sie in der Autounfallforschung verwendent
werden) zurück geht (die oft demonstrierte
Schutzwirkung eines Helms für eine Melone aus 1 Meter
Fallhöhe hat mit der Praxis eines Fahrradunfalls und
der daraus erwachsenden Schutzwirkung für einen Kopf
mit angewachsenem Körper, leider herzlich wenig zu tun
und stellt allenfalls populärwissenschaftliches
Halbwissen dar). 2. Eine Helmpflicht würde im
Ergebnis unter Einbeziehung aller Wirkungen das Radfahren
unsicherer machen. Um das zu verstehen, muss man
allerdings den Zusammenhang zwischen Radverkehrsanteil
und Sicherheit für Radfahrer kennen. Alle
wissenschaftlichen Untersuchungen weisen aus, dass ein hoher
Radverkehrsanteil die Unfallhäufigkeit von Radfahrern
statistisch sinken lässt. Ursache dafür ist, dass
auf der Strasse öfter präsente Radfahrer auch in
den Köpfen der anderen Verkehrsteilnehmer präsent
sind und das Verständnis füreinander und die
Anpassung der Verhaltensweisen aneinander wächst. Die
zunächst sehr einsichtige Forderung nach einer
Helmpflicht für alle erweist sich bei genauer
Betrachtung als geradezu kontraproduktiv, da sie zu einem
Rückgang der Fahrradnutzung führen
würde. 3. Einige Radfahrer mit Helm
tendieren - im Bewußtsein subjektiver Sicherheit - zu
riskanterer Fahrweise als ohne Helm (Im Fachjargon -
Risikokompensation). So wie Untersuchungen gezeigt haben,
dass einige Autofahrer mit ABS und Airbag risikoreicher
fahren als ohne, kann sich durch den Helm bei einigen
Radfahrern sogar das Unfallrisiko erhöhen, wenn
Radfahrer mit Helm risikoreicher fahren (Im Fachjargon -
Risikokompensation). 4. Der positive gesundheitliche
Effekt, der durch Radfahren erreicht wird, ist ein
vielfaches dessen, was durch den eine Helmpflicht erreicht
werden könnte. Rad fahren ist gesund. Das Risiko
durch Unfälle ist mit und auch ohne Helm weit geringer
als der Nutzen für Gesundheit und Lebenserwartung. Es
sollte deshalb alles unterbleiben, was eine verminderte
Nutzung des Fahrrads zur Folge hat (z. B. eine
Helmpflicht). Aus all diesen Gründen lehnt
der ADFC eine Helmplicht entschieden ab, und empfiehlt die
Entscheidung über die Helmnutzung jedem Radfahrer bei
jeder Fahrt selbst zu überlassen. Auszug
aus der ADFC Broschüre "RADFAHREN
- aber sicher"
Auch wenn kein Helm 100 %
Schutz bieten kann, so dämpft er doch bei einem
Aufprall die einwirkenden Stöße und verringert
die Gefahr von Kopfverletzungen. Der ADFC wendet sich gegen
eine gesetzliche Helmtragepflicht, empfiehlt aber allen,
selbst abzuwägen und zu entscheiden, ob und wann sie
sich durch einen Helm beim Radfahren schützen wollen.
Insbesondere für Kinder ist - auch schon im Kindersitz
oder Hänger - ein Helm anzuraten. Helme bei Kindern
aber nur zum Radfahren, nicht zum Spielen oder andere
Tätigkeiten. Leider gab es schon tödliche
Unfälle an Spielgeräten mit helmtragenden
Kirnden. Damit der Helm seine
Schutzwirkung entfalten kann, muß er die passende
Größe haben und richtig sitzen. Neuere Helme sind
in der Weite meist stufenlos anpassbar. Damit er richtig
sitzt, muss aber auch der Kinnriemen richtig eingestellt
werden. Und der muss natürlich auch geschlossen sein,
damit bei einem Sturz der Helm nicht in hohem Bogen vom Kopf
"segelt". Je nach Einsatzzweck, z.B.
für ein Kind im Kindersitz oder für sportliches
Rennrad Fahren, braucht der Helm weniger oder mehr
Belüftungsöffnungen. Nach einem Unfall ist der Helm
auf alle Fälle zu ersetzen, da schon Haarrisse seine
Schutzwirkung beeinträchtigen können. Aber auch
ohne Unfall sollte der Helm nach fünf bis sieben Jahren
ersetzt werden. Faltblatt zum Anschauen
und als PDF-Dokument [225 KB] zum
Auszug aus
dem ADFC Aktiveninfo 2004 (Stand 25.8.2004)
Helme für Radfahrer -
Positionen, Tipps und Informationen Zum Thema Helme für Radfahrer
erreichen den ADFC immer wieder Anfragen. Manche Radfahrer
möchten wissen, ob es in Deutschland eine Verpflichtung
zum Tragen von Fahrradhelmen gibt - wenn nicht allgemein, so
doch vielleicht in bestimmten Gegenden, für bestimmte
Altersgruppen oder bei Fahrten im geschlossenen Verband.
Andere möchten sich einen Fahrradhelm kaufen und fragen
nach, welches Modell der ADFC empfiehlt. Und wieder andere
weisen auf Untersuchungen hin, denen zufolge Fahrradhelme
keinen Zugewinn an Sicherheit bringen, und wenden sich gegen
jede Beratung in Sachen "Fahrradhelm" durch den
ADFC. In Deutschland besteht generell keine
gesetzliche Helmpflicht , weder für Radfahrer im
allgemeinen noch für bestimmte Altersgruppen, in
bestimmten Regionen oder bei Gruppenfahrten. Da es keine
Helmpflicht gibt, gilt das Fehlen eines Fahrradhelmes bei
einem Unfall auch nicht als Mitverschulden. Der ADFC weist Forderungen nach einer
Helmpflicht als untauglich zurück. Es ist seit langem
übereinstimmende Meinung aller Experten und der
Bundesregierung, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen
noch zu kontrollieren sei. Sie würde aber die
Fahrradnutzung drastisch sinken und damit den Autoverkehr
steigen lassen. Dies ist weder umwelt noch
gesundheitspolitisch zu verantworten. Wichtig ist es
allerdings, das Helmtragen durch Aufklärung zu
fördern, Tempolimit 30 innerorts einzuführen und
der gegenseitigen Rücksichtnahme zur Geltung zu
verhelfen. Die Bundeshauptversammlung des ADFC hat sich
mehrfach gegen jegliche Tendenzen ausgesprochen, eine
Helmpflicht für Radfahrer einzuführen. Im
Beschluss der Bundeshauptversammlung vom 23./24.05.1998 in
Berlin heißt es: "Der ADFC geht gegen jegliche
Bemühungen vor, eine Helmpflicht herbeizuführen.
Speziell spürbaren Tendenzen, das Fahrradfahren ohne
Helm als unverantwortbar gefährlich darzustellen und so
eine mögliche Helmpflicht heraufzubeschwören, wird
der ADFC künftig mit den ihm zu Gebote stehenden
Mitteln aktiv entgegentreten, um ernsthafte Forderungen nach
einer Helmpflicht gar nicht aufkommen zu lassen. Dazu gehört
insbesondere: Argumente
gegen die Helmpflicht Ein Hauptargument gegen eine
Helmpflicht ist der damit verbundene Rückgang der
Fahrradnutzung insgesamt. So wurde beispielsweise 1991 in
Australien eine landesweite Helmpflicht für Radfahrer
gesetzlich verordnet. Dies führte zu einem dramatischen
Einbruch des seit Jahren anhaltenden australischen
Fahrradbooms. So belegt eine Studie von Dorothy L. Robinson
an der University of New England in Armindale (New South
Wales) , dass im Bundesstaat New South Wales zwar nach
Einführung der Helmpflicht der Anteil der Kinder und
Jugendlichen unter 16 Jahren, die einen Helm trugen, von 31
Prozent auf 76 Prozent anstieg. Im selben Zeitraum nahm die
Zahl der Rad fahrenden Kinder jedoch massiv ab:
Gegenüber 1991 waren im Jahr 1992 36 Prozent weniger
Kinder mit dem Fahrrad unterwegs, im Jahr 1993 betrug der
Rückgang im Vergleich zu 1991 sogar schon 44 Prozent
Die Zahl der Kopfverletzungen sank zwar in absoluten Zahlen,
zur Zahl der Radfahrer ins Verhältnis gesetzt nahm sie
hingegen zu. Radfahren wurde offenbar für die
verbliebene Zahl Rad fahrender Kinder gefährlicher.
(Dorothy L. Robinson, AGBU, University of New England,
Armidale, NSW 2351, Australia: Head Injuries and Bicycle
Helmet Laws, Accident Analysis and Prevention, volume 28,
number 4, pages 463 - 75 (1996) in: ADFC Forschungsdienst
Fahrrad Nr. 282.
www-2.informatik.umu.se/adfc/fdf/fdf-282.html) Verschiedene Untersuchungen zeigen,
dass bei zunehmendem
Radverkehr das individuelle Verletzungs- und
Todesrisiko abnimmt.
Umgekehrt kann man vermuten, dass bei sinkendem Radverkehr
das individuelle Risiko steigt. Robinson folgert, dass
das Bewusstsein um die Radfahrer, einschließlich der
Anzahl der Radfahrer auf der Straße, und das
allgemeine Verkehrsklima einen größeren Einfluss
auf die Sicherheit von Radfahrern haben als das Tragen von
Helmen. Auch bei den zwischen 1992 und 1994 in New South
Wales getöteten oder schwer verletzten Radfahrern
lässt sich kein höherer Schutz der Helmträger
ableiten: 80 Prozent der Getöteten trugen Helme, was
ziemlich genau dem Anteil der Helm tragenden Radfahrer
entspricht. Die positiven Gesundheitseffekte
des Radfahrens, auch ohne Helm, gleichen die
Gesundheitsgefährdung durch Verletzungen bei weitem
aus. Deshalb bedeutet eine gesetzliche Regelung, deren
größte Auswirkung eine Verminderung des
Radfahrens ist, einen Wohlfahrtsverlust für das
Land. Helme sollten immer freiwillig
getragen werden. Insbesondere Kindern gegenüber sollte
nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gearbeitet werden,
sondern es sollten die positiven Aspekte des Helmtragens
hervorgehoben werden. Gute Fahrradhelme haben schon bei
manchem Unfall schwere Kopfverletzungen verhindert, ein
umfassender Lebensretter sind sie allerdings nicht. Wenn es
"kracht", ist bei Radfahrunfällen neben den Beinen vor
allem der Kopf betroffen. Dabei wirken oft Kräfte auf
den Körper ein, die auch der beste Helm nicht abfangen
kann - beispielsweise beim frontalen Zusammenstoß mit
einem schnellen Auto. Fahrradhelme schützen - richtig
aufgesetzt - vor allem Gehirn, Schläfen und Stirn.
Allerdings ist darauf zu achten, dass der Helm nicht zu
"sportlichem", d.h. riskantem Fahren verleitet. Aber auch
mit Helm ist eine umsichtige und defensive Fahrweise mit
einem technisch einwandfreien Fahrrad der beste
Unfallschutz.
Weiterführende
Links
Fragen, Mythen, Hypothesen und
Fakten als Beitrag zur Meinungsbildung Mit herunterladbarer
Argumentationshilfe als PDF-Datei.
Der Fahrradhelm
bei Wikipedia
http://www.adfc-bw.de/texte/helm/helm.htm
Forschungsdienst Fahrrad Nr.
282, http://www-2.informatik.umu.se/adfc/fdf/fdf-282.html
http://www.adfc-bw.de/texte/helm/helm.htm
Verschiedene kritische
Beiträge zur Sicherheit von
Fahrradhelmen http://myhome.iolfree.ie/~hardshell/
Informationen zu einer Untersuchung
von Paul A. Scuffham und John D. Langley zur Helmpflicht in
Neuseeland, 1997 http://www.ingokeck.de/publikationen/radhelm/rhwirkungslos/
Artikel der Zeitschrift
"Ökotest" zum Thema Fahrradhelme http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?suchtext=&doc=28592
Analyse eine Medienkampagne zum
Thema Helmpflicht http://0x1a.de/static/helmkampagne1/konzertierte_aktion.html
www.fahrradhelm.de http://www.fahrrad-helm.de/cgi-bin/boxgate56610?login=guest&password=&nav1=4&nav2=6&nav3=0 Argumente gegen
die Helmpflicht [Hinweis: Veranstalter
von Radtourenfahrten oder anderen Radveranstaltungen
können als Teilnahmebedingung eine verbindliche
Helmnutzung für die Teilnehmer aussprechen. Dies gilt
besonders, wenn bei Rennsportveranstaltungen oder bei andern
Veranstatlungen, bei denen sehr eng gefahren wird. Auch
dabei sollte aber nicht von einer "Helmpflicht" gesprochen
werden. Die Helmnutzung akzeptiert der Teilnehmer freiwillig
und kein Radfahrer kann zur Teilnahme an der Veranstatltung
verpflichtet werden.] Wenn Sie
Fehler auf der Webseite oder Anregungen zu dieser Website
melden möchten, kontaktieren Sie bitte den
Webmaster.

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Auszug
aus dem ADFC Aktiveninfo 2004
Auszug aus
der ADFC Broschüre "RADFAHREN
- aber sicher"
Runterladen.
Verkehr und Politik
Der
Radhelm
Seite zum Thema Helm des ADFC Landesverband
Baden-Würtemberg
Studie von D.L. Robinson zu den
Auswirkungen der Helmpflicht in Australien, 1996
Weitere Daten zur Studie von D.L. Robinson
Seite zur Einführung der Autohelmpflicht in der
Schweiz. Diese hätte nicht die schwerwiegenden
Nachteile der Velohelmpflicht:

