Nummernschild am Fahrrad

Guter Einfall - oder Posse aus Schilda?

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In regelmäßigem Abstand taucht - sei es im allgemeinen Sommerloch oder durch einen
(1!) spektakulären Unfall mit Fahrerflucht hervorgerufen in den Medien das Thema
Nummernschild für Radler auf. Die dahinterstehende Überlegung derjenigen,
die das fordern ist meist, dass sie Radlern unterstellen Regelvestöße nicht zuletzt
deshalb zu machen, weil sie sich als Radler vermeintlich anonym auf den Strassen
bewegen und wegen fehlender Nummerschilder nicht dingfest gemacht werden könnten.

Die Anhänger der Nummernpflicht begründen ihren Vorstoß oft mit dem ruppigen Verhalten
von schwarzen Schafen unter den Radlern, derer man besser Herr werde, wenn sie leichter
identifizierbar wären. Dem muß entgegenet werden, dass die vorhandenen großen
Nummernschilder auf den Kraftfahrzeugen leider in keinem Maße dazu beitragen,
massenhafte Regelverstöße, wie erhöhte Geschwindigkeit, zu geringen Abstand
beim Überholen, Parken auf Geh- und Radwegen oder sogar Rotlichtverstöße
zu begehen. Auch ein sehr großes Nummernschild hält Autofahrer offensichtlich nicht einmal
vor der schwerwiegenden Unfallflucht ab (so erfaßt der Polizeibericht 2008 in München 12.750
Unfallfluchten bei 48.750 erfaßten Unfällen - also 26 % der Unfallverursacher begingen trozt
großem Nummernschild Unfallflucht, die Dunkelziffer der nicht erfaßten Unfallfluchten dürfte
erheblich höher sein).

Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass mit einem Nummernschild zwar
der Halter des Fahrrads feststellbar wäre, aber nicht zwangsläufig der Fahrer.
Der Nachweis, dass der Fahrer auch der Halter ist, wäre - mehr noch als beim
Kraftfahrzeug - schwierig und mit nicht unerheblichem Nachweisaufwand verbunden.

Fahrräder mit Nummernschildern auszustatten scheitert aber schon aus
verwaltungstechnischen und damit verbundenen finanziellen Gründen. Bei einem
Bestand von 67 Millionen Fahrrädern in Deutschland ( Angabe Statistisches Bundesamt,
2007) käme bei der Annahme, dass dem Staat pro Nummernschild nur etwa 10 Euro
Verwaltungskosten entstehen, schon die gewaltige Summe von 670 Millionen Euro
zusammen. Alles in allem darf man wohl annehmen, dass Gesamtkosten von
mehr als 1 Milliarde Euro entstünden, wollte man alle Fahrräder in der BRD so erfassen,
wie dies bei Kraftfahrzeugen der Fall ist. Zum Vergleich: Das Kraftfahrt-Bundesamt in
Flensburg verwaltet „nur" 55 Millionen Kraftfahrzeuge und benötigt dazu mehr als
1000 Mitarbeiter und unterhält in jedem Landkreis und jeder größeren Stadt eine Zulassungsstelle.
Wollte man offizielle Schilder ausgeben müßte eine Zulassungsstelle in allen Orten vorhanden sein.
Eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Das nächste Problem wäre das Schild selbst und deren sichere Befestigung und
eindeutige Zuordnung von Fahrrad und Nummernschild. Nur eine eindeutig erfasste
Rahmennummer des Fahrrads mit einer diebstahlsicheren Befestigung könnte einem
Nummernschild eindeutig zugeordnet werden. Bei der Schildergröße könnte man
Fahrradschilder nicht größer als 10 cm Breite (Gepäckträgerbreite) machen und
hätte das Problem der Befestigung, da viele unterschiedliche Fahrradtypen keine
einheitliche Befestigung gewährleisten. Sollen die Schilder dann nur Hinten oder
auch Vorne an gebracht werden? Wie ist das bei Rennrädern, wo Rennradler jedes
Gramm Gewicht und jeden Luftwiderstand versuchen zu vermeiden?

Eher Randprobleme, sind dann zu Regeln, was mit Leihrädern passiert,
ab wann Kinderräder erfaßt werden, ob das Nummernschild bei Nacht beleuchtet sein muß
etc.. In der Folge wäre bei einer Fahrradnummernpflicht auch zu prüfen, ob nicht auch
Fußgänger nur noch mit Nummernschild auf die Strasse dürfen. Der allgemeinen
Beobachtung nach sind auch bei einer Reihe von Fußgängern die Regelverstöße -
wie gehen bei Rotlicht u. ä. - in nicht geringem Masse verbreitet.

Das eigentliche Problem liegt jedenfalls wo anders und kann nicht mit Schildern
gelöst werden.

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Fahrrad mit Nummernschild - eher Schnapsidee als ernstzunehmender Vorschlag

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