Deutsch-russischer Gedankenaustausch zum Radverkehr

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ADFC Bayern gibt Fahrradaktivisten in St. Petersburg Tipps – stellvertretender Landesvorsitzender Friedrich Zeller im Gespräch mit russischen Radfahrern

München, 24.05.2018 Während der deutsch-russischen Woche gab es vielfältige Begegnungen St. Petersburger Aktivisten mit deutschen Repräsentanten. Dr. Friedrich Zeller, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) Bayern, berichtete russischen Fahrrad-Vertretern, wie der ADFC versucht, mit Expertenwissen die bayerische Verkehrspolitik und Verkehrsplanung mitzugestalten. Die russische Szene der Umweltaktivisten ist vielfältig wie das ganze Land. Die Pioniere des Radverkehrs in St. Petersburg verdienen für ihren Einsatz großen Respekt!

Herr Frieder Zeller und Frau Dr. Eltje Aderhold, Leiterin des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in St. Petersburg

„Radfahren ist in St. Petersburg nicht empfehlenswert“, so steht es im Reiseführer über die russische Stadt an der Newa. Damit ist kurz und knapp beschrieben, wie sich die verkehrliche Situation in St. Peterburg darstellt und warum der Modalsplit des Fahrrads bei 1,6 Prozent liegt. Umso mutiger sind die Aktivisten der St. Petersburger Radl-Szene, die der stellvertretende ADFC-Landesvorsitzende, Dr. Friedrich Zeller, besuchte. Im Rahmen der deutsch-russischen Woche war der ADFC Bayern eingeladen, über die verkehrspolitischen Anstrengungen des deutschen Fahrrad-Clubs zu berichten.

Der stellvertretende Landesvorsitzende hatte in St. Petersburg die Gelegenheit, mit den Studenten und mit anderen Fahrrad-Begeisterten der 4,5 Millionen Einwohner umfassenden Stadt Gedanken über den richtigen Weg der Fahrradförderung auszutauschen. In seinem Vortrag verwies er darauf, dass Bayern nicht als großartiges Vorbild gelten kann, da der große Wurf in der Verkehrspolitik keineswegs erkennbar sei. Andererseits habe Bayern zweifellos einen im Vergleich zu Russland hohen Stand der Radwege-Infrastruktur aufzuweisen.

Die Fahrradfreunde von St. Petersburg bemühen sich sehr, das Rad als intelligentes Fortbewegungsmittel in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu bringen. Mit seinen großen, breit ausgebauten Magistralen scheint alles auf das Auto ausgerichtet zu sein. Allerdings verfügt St. Petersburg – ebenso wie Moskau – über eine erstklassige U-Bahn und ein vielfältiges Bus-System. Also beste Voraussetzungen, um das Rad für die erste und die letzte Meile zu nutzen. Hinzu kommt, dass St. Petersburg von vielen Kanälen durchzogen ist, schließlich wurde es 1704 von Zar Peter im Mündungsdelta der Newa gegründet. Die Kanäle und noch zu schaffende Fährverbindungen über die Newa könnten dem Fahrrad einen originären Systemvorteil verschaffen.

Die Fahrrad-Aktivisten, ihre schwierige Ausgangslage und ihre guten Ideen erinnern an die achtziger Jahre, in denen der ADFC und andere umweltbewegte Verbände erste Schritte zur Verkehrswende forderten. Die Aktivisten in St. Petersburg sind zu bewundern: Mit wenig mehr als ihrem Elan und ihrer Überzeugung kämpfen sie für eine moderne Stadt, die das Fahrrad zu seiner Geltung bringt. Sie wollen einen intelligenteren Verkehr, ruhigere Straßen und mehr Lebensqualität. Friedrich Zeller fasst seine Erlebnisse folgendermaßen zusammen: „Am Beispiel St. Petersburg habe ich wieder einmal gesehen, wie vielfältig die russische Gesellschaft ist und wie viele Menschen sich für die Zivilgesellschaft engagieren. Ich rate jedem, einmal nach Russland zu reisen. Vor den mutigen Radl-Aktivisten ziehe ich meinen Hut!“

 

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 165.000 Mitgliedern, davon mehr als 26.000 in Bayern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

 

 

 

 

 

 

 

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