Evangelischer Landesbischof: „Die große Transformation ist dringend nötiger denn je“

Beim 4. ADFC Mittagsgespräch sprach der Bayerische Evangelische Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm zum Thema „Schöpfungs-Fahr-Antwortung“.

 „Die große Transformation ist dringend nötig, denn“, so Bedford-Strohm, „wo stehen wir im Jahr 2030, wenn wir so weitermachen wie bisher?“ Es ist dringend geboten, dass die Menschen der westlichen Industrienationen ihr Mobilitätsverhalten ändern, um den drohenden Klimawandel aufzuhalten. Entwicklungsländer könnten dem Bestreben nach dem verantwortungsvollen Umgang mit der Erde erst folgen, wenn auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit Berücksichtigung finden. Diese hätten auf dem Klimagipfel in Rio de Janeiro im Jahr 2012 keinen Widerhall gefunden. Einer der Gründe, so Bedford-Strohm, der zum Scheitern des Gipfels geführt habe.

Ebenso, wie mehr Nachhaltigkeit nur erreicht werden kann, wenn sie nicht zu Lasten der Schwächsten geht, kann die Energiewende nur gelingen, wenn wirtschaftliche Interessen nicht dafür sorgen, dass die Kosten explodieren. Denn das wiederum träfe die Armen am härtesten.

Beim Thema Kosten kommt Bedford-Strohm auf den britischen Ökonom Nicholas Stern zu sprechen, der sich im Auftrag der britischen Regierung mit den wirtschaftlichen Folgen eines zukünftigen Klimawandels befasst hat. Nach Stern übersteigen die Folgekosten des Klimawandels bei Weitem jene Kosten, die heute investiert werden müssten, um den Prozess der Erderwärmung aufzuhalten. Die Politik, so Bedford-Strohm an die Zuhörer im Foyer des ADFC Landesverband Bayern, ist daher aufgerufen, endlich zu handeln, damit auch die folgenden Generationen auf einer unzerstörten Erde leben können.

Es kann doch nicht sein, so der Landesbischof in Anlehnung an den Theologen Larry Rasmussen weiter, dass der Mensch in der Kürze seines Daseins auf der Erde zerstört, was Jahrmillionen zuvor unversehrt überdauert hat. Und an dieser Stelle widerspricht Bedford-Strohm Carl Améry, der in seinem Buch „Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums“ die These vertrat, dass erst die biblischen Worte „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan …“ (1 Mose, 1, Vers 28) den Menschen dazu gebracht hätten, sein Zerstörungswerk zu beginnen. Nicht die biblischen Texte hätten die Zerstörung der Erde legitimiert, sondern die Entsäkularisierung der Natur durch den Menschen habe diesen Prozess in Gang gesetzt. Der Mensch habe stattdessen Verantwortung zu tragen. „Herrschaft heißt Fürsorge“, so Bedford-Strohm. Wer dieses Grundeinmaleins der christlichen Theologie nicht verstehe, habe die Schöpfungsgeschichte missverstanden und falsch ausgelegt.

Wie aber könnte eine Strategie gegen die Ausbeutung der Erde aussehen, eine Strategie, die auf der Verantwortung des Menschen für Gottes Schöpfung basiert?

Hier ist die Kirche ein wegweisender Partner, denn das Thema Mobilität steht seit Jahrzehnten im Fokus des Weltkirchenrats. Ein gutes Beispiel für das engagierte Eintreten für mehr Nachhaltigkeit sind, so Bedford-Strohm, die Tagungen zum Thema, die beispielsweise in der Evangelischen Akademie in Tutzing abgehalten werden. Oder, um ein praktisches Beispiel für gelebtes Christentum auf dem Fahrrad zu nennen, die mehr als 170 evangelischen Radwegekirchen, die es inzwischen in Deutschland gibt.

Es gibt viele Möglichkeiten, den C02-Ausstoß zu reduzieren und somit dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Auf das Fahrrad umzusteigen ist eine davon. Es ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gesund. Fahrradfahren macht einfach glücklich. Und weil das so ist, legt der Landesbischof viele Wege mit dem Zweirad zurück. Zum 4. ADFC Mittagsgespräch übrigens auch.

Bilder der Veranstaltung

© ADFC Bayern 2018